Das Kunstwerk des Monats

Januar 2026 | Koen Vermeule, UP NORTH, 2020, Öl, Acryl auf Leinwand, 160 x 240 cm

Dieses Bild malte ein niederländischer Künstler von einer Fahrt nach dem Norden. Also steigen wir zu ihm ins Auto. Dort sehen wir, was wir nicht fühlen: draußen ist es kalt. Die draußen gelassene Kälte besteht aus waagerechten Streifen. Der oberste formt den rosa behauchten Himmel. Unter ihm liegen die weißen Streifen der Schneewiesen, die eisblauen der Straßenbegrenzungen und die grauen der Straße. Nur ein paar kahle Winterbäume stehen da als klar umrissene schwarze Senkrechte. Währenddessen fährt man so eilig an der streifigen Landschaft entlang, dass die Bewegung den Raum verwischt. Verweigert man sich dem mitreißenden Seitwärtsgucken und blickt man gelassen von unten nach oben, fällt es leicht, die abwechselnden Farbbänder zwei ungleichen Ebenen zuzuordnen. Die unteren Farben gehören zu den künstlichen Flächen (Straße, Straßenbegrenzung) und die weiter oben zu den natürlichen Flächen (Wiese, Himmel). In der Mitte wechseln sie sich in kurzen, flimmernden Abständen ab, bis die jeweils andere Ebene erreicht ist. Man kann das Bild aber nicht nur seitwärts oder aufwärts, sondern auch von vorn in die Tiefe hinein lesen. Weil die natürliche Landschaft weit in der Tiefe liegt, wird sie von der raschen Fahrt kaum berührt, so dass sie ruhig bestehen bleibt, während unsere Bewegung vorn auf der Straße vorüberzieht.


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