Das Kunstwerk des Monats

Bilder von Florian Thomas und Skulpturen von Stephan Kern

Warum nur ein Kunstwerk kaufen, wenn man auch mehrere haben kann? Gönnt man ihnen zu Hause den Platz, gibt es gleich mehr, das man zeigen, worüber man sprechen, worüber man nachdenken kann. Zum Beispiel über die sonderbar schlüssige Verwandtschaft von abstrakter Skulptur und gegenständlicher Malerei. Wobei hier beide von vornherein mit einer gewissen Farbreduktion, man könnte auch sagen Unfarbigkeit arbeiten. Dadurch wird man einerseits auf die zarten Feinheiten aufmerksam, die sich an jeder Krümmung, jedem Oberflächenglanz, jeder Hauswand und jedem Ersatzrad ablesen lassen. Man versteht, dass Vieles, das so unterschiedlich aussieht, auf einige wenige Formen zurückgeht, die zudem eine bestimmte Nutzung erlauben. So wirkt die linke, gestapelte Skulptur wie eine biegsame Wirbelsäule, und eine solche scheint auch der Mann, der im mittleren Bild so lässig auf der Straße steht, in Gebrauch zu haben. Während die Skulptur in der Mitte von der Freude, Dinge auszuhöhlen zeugt, wird dasselbe auf dem Bild unten rechts bestätigt. Die Anwendung als Autotunnel beweist, dass schön geformte Löcher nicht nur praktisch sind, sondern auch einen maximalen Kontrast bieten. Man kann sogar meinen: sie sind Tag und Nacht zur selben Zeit auf kleinem Raum. Von so viel klarem Gegensatz sind die Skulptur ganz rechts und das Bild ganz oben etwas abgerückt. Während bei der Skulptur in Bewegung geratene Dinge überraschend stabil balancieren, heißt es bei dem Bild, hinein in die Wunder des Überwucherten, des Überlagerten und Zerstreuten, wo dennoch ein sepiagetränkter Platz frei ist für einen kultivierten Autocorso.

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