Das Kunstwerk des Monats

Oktober 2026 | Aylin Langreuter, Freischwinger, 2019, Aluminium, 58 x 58 x 17 cm

Zwei mit gleicher Basis schwingen gemeinsam, voraus und zurück, und haben ihre flachen Köpfchen in die Luft gestreckt, jedes davon wie das Ende einer Radioantenne, die Antennen verstellbar für einen gerichteten Empfang, um in die Welt zu horchen, von wo sie Schwünge aufnehmen, worauf sie gemeinsam, voraus und zurück, schaukeln, immer zu zweien.


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Oktober 2026 | Aylin Langreuter, Freischwinger, 2019, Aluminium, 58 x 58 x 17 cm

Zwei mit gleicher Basis schwingen gemeinsam, voraus und zurück, und haben ihre flachen Köpfchen in die Luft gestreckt, jedes davon wie das Ende einer Radioantenne, die Antennen verstellbar für einen gerichteten Empfang, um in die Welt zu horchen, von wo sie Schwünge aufnehmen, worauf sie gemeinsam, voraus und zurück, schaukeln, immer zu zweien.

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September 2026 | Aylin Langreuter, Family Affairs #4, 2026, pulverbeschichtetes Aluminium, LED, D 60 cm, H 2,38 cm

Teile, die so rätselhaft vereint sind, stehen zueinander in Beziehung: der schöne dunkelblaue Himmel, die schwarzen Bäume davor, der buschige Sommerflieder, der seine lilafarbigen Blüten vorzeigt und die Menschen, die um ein Licht schwirren, wie Motten es tun in der Nacht. Ein Lampenbündel, das auf gekiestem Boden angesiedelt ist, steht da wie eine künstliche, leuchtende Pflanze mit verschieden gewachsenen, metallenen Stängeln. Die vier Menschen, die sich darum herum scharen, sind selbst verschieden hoch gewachsen. Wie in einem intimen Ritual, vom Nachtkokon umhüllt, aber von der Lampe erhellt, formen sie ein dramaturgisches Muster und kehren das innere Bild einer Familie nach außen in den Raum.

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August 2026 | Michael Dekker, „Upper Bank“, 2025, Holz, Lack, 151 x 73 x 90 cm

In einem Zimmer befindet sich Luft, wenn es gut geht auch Platz, und dazu kommen senkrechte und waagerechte Flächen. Das ist so üblich, und genauso gewöhnlich ist der Werkstoff Holz. Aber tut man mit dem Holz etwas Ungewöhnliches, kommt allerlei nach: Die Luft wird geteilt in geschwungene Räume. Das Licht wird gestapelt. Es beginnt ein Tänzeln und Schweben, wo sich nichts bewegt. Man erlebt die Zeit, betrachtet einen Willen und spürt ein Können. Denn die Skulptur aus Holz ist glücklich gefügt und gefügig gemacht. Das feste Material hat nachgegeben. Aber in seinen schönen Bögen stecken Spannungen. Der Blick darauf erklettert offene Höhlungen, in denen weiche Schatten an die Wandungen rutschen.

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Juli 2026 | Per Kirkeby, o.T., 1977, Kreide auf grundiertem Masonit, 122 x 122 cm, gerahmt

Der ausgebildete Geologe Per Kirkeby suchte nach strukturellen Zusammenhängen zwischen Vorgängen in der Natur und Prozessen in der Kunst. Auch wenn man zuerst flitzende farbige Striche, gehämmerte bunte Punkte oder verschlungen fliegende Linien erkennt, beruhen seine abstrakten Werke auf Beobachtungen und dem Wunsch, Naturvorgänge in ästhetischen Formen zu konservieren. In unserem Bild tauchen außerdem Zeilen aus einem Text des dänischen Naturforschers Tycho Brahe auf. Selbst wenn man sie nicht lesen oder nicht verstehen kann, erfüllen sie ein Anliegen des Künstlers, das er schon mit der Wahl seines Malgrundes offenlegt. In seiner Kreidetafel-Serie benutzte er Masonit, eine aus langen Zellulosefasern hergestellte Hartfaserplatte, die er mit schwarzem Schultafellack grundierte. Darauf notierte er mit Kreide sich überlagernde, halbverwischte Gedankengänge, ein vorhandenes, visualisiertes, weitergegebenes Wissen, das er in einem schwebenden Zustand fixiert hat.

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Juni 2026 | Elisabeth Brockmann, No. 252, 2022, Acryl auf Stahlblech, 28,5 x 21 cm

Gesichter sind enorm anziehend. Es reicht – falls man nur sparsam mit malerischer Begabung begütert ist – zwei Punkte und darunter einen Strich zu zeichnen, und alle anderen Menschen erkennen ein Gesicht. Sogar gern und auch dann, wenn Gurken, Radieschen, Salat und andere essbare, sommerfrische Sachen als kluges Arrangement gemalt wurden. Giuseppe Arcimboldo hat es ausprobiert und das hat so gut geklappt, dass selbst nach fünfhundert Jahren ziemlich viele Menschen sehr freudig zu seinen Bildern hingucken. Elisabeth Brockmann melangierte Farben und ganz einfache, grundsätzliche Formen. Aber so, dass eines ihrer gemalten Gesichter an eine mondbeschienene Nacht erinnert, ein zweites strahlt aus blumigen Augen, ein drittes wölbt seine Augenbrauen wie Nordlichter, einem vierten weht die Nase im Gesicht wie Seidenstoff. Bei diesem hier gezeigten Bild ahnt man schon von Weitem eine stürmische Fülle. In der Nähe sieht man Pinselschwünge wie heranbrausende Wolken voller Farbigkeit. Sie sind durchtupft von kleinen Rostflecken, entstanden durch wässrige Farbe auf metallischem Grund. In Gedanken riecht man die ersten Regentropfen auf trockenem Land.

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Mai 2026 | Vladimir Skoda, de l’intérieur, 1986, geschmiedeter Stahl, 10 Elemente, Durchmesser 4 bis 50 cm

In einer gebogenen Linie gelegt, wurden zehn Kugeln nach ihren Größen geordnet. So sind sie aufeinander bezogen. Dennoch bleiben sie Welten für sich. Ihre unregelmäßigen Oberflächen verschlucken das Licht so, dass man die dunkle Masse der Kugeln empfindet, auch ohne sie zu berühren. In ihre geschmiedete Materie wurden formende Hitze und Kraft hineingetrieben. Sie gehorchen der Gravitation wie der menschlichen Kraft, durch die sie sich bewegen lassen. Das Material der Kugeln, massig und hart, sitzt scheinbar zart mit kleiner Fläche auf dem Boden auf. Deshalb werfen diese sphärischen Welten schöne runde Schatten, so dunkel, als hätten sie etwas von ihrer schweren Materie abgelöst und als leichte Substanz auf die Fläche unter sich gestreut.

Diese Arbeit wurde erstmals im Musée d`Art, Paris gezeigt. Eine ähnliche Arbeit stammt aus demselben Jahr und befindet sich heute in der Sammlung des Saudi Arabia Museum of Contemporary Art (SAMoCA) in Riad.

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