Das Kunstwerk des Monats

Juli 2024 | Mirei Takeuchi, ohne Titel, 2016, Halsschmuck, Eisen gelasert, Edelstahl

Der Halsschmuck wurde aus hauchdünnem Eisen gelasert. Als Verbindungsglieder der Flügel dienen gebogene Insektennadeln aus Edelstahl. Insektensammler benutzen sie für die Fixierung der von ihnen gefangenen Tiere. So wie Libellen ihre schönen Körper durch den Tod der von ihnen gefressenen Tiere vor dem Vergehen bewahren, so sind die Nadeln todbringende Instrumente, um die zarteste Schönheit zu erhalten. Lebende Dinge sind nicht von Dauer. In Haltbares verwandelt bilden die aneinandergereihten Flügel feine, komplizierte Formen auf kleinem Raum und sind detailreich wie das vergängliche Vorbild. Ihr Schwarz betont die grafische Qualität, die zugleich dafür sorgt, dass ein und dieselbe Farbe wirkt, als würde sie in wechselnden Schattierungen auftreten. Auf diese Art verströmen die Flügel sogar unberührt einen bebenden Hauch von Bewegung.


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Juli 2024 | Mirei Takeuchi, ohne Titel, 2016, Halsschmuck, Eisen gelasert, Edelstahl

Mit bloßen Händen ist der Künstler ans Werk gegangen. Ihre konservierte Spur bedeutet: Ich lebe und habe dies geformt. Doch bleibt das Ich nicht mit sich selbst allein. Es hat sich mit der äußeren Welt verbunden, als es sich in sie eingefurcht und eingeknetet hat. Und es hat sich mit uns verbunden, indem es etwas tat, was wir alle tun könnten. Wir müssten nur mit unseren Händen in feuchtem Sand graben oder einen Batzen Lehm kneten. Das Besondere aber ist, das der Künstler dabei eine Form fand, uns etwas Innerliches mitzuteilen. Denn seine Hände haben gegeneinander gearbeitet. Ihre Bewegung strebt in zwei Richtungen. Doch die leicht verdrillte Mitte der kleinen Plastik ist stabil. Sie wird nicht zerrissen. Ebenso wenig wie das Ich, dem die Bewegung der Hände und der sie auslösende Wille zugehören. Im Einfachsten also liegen unverhoffte Botschaften, die uns ins Innere der Dinge führen.

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