Juli 2026 | Per Kirkeby, o.T., 1977, Kreide auf grundiertem Masonit, 122 x 122 cm, gerahmt
Der ausgebildete Geologe Per Kirkeby suchte nach strukturellen Zusammenhängen zwischen Vorgängen in der Natur und Prozessen in der Kunst. Auch wenn man zuerst flitzende farbige Striche, gehämmerte bunte Punkte oder verschlungen fliegende Linien erkennt, beruhen seine abstrakten Werke auf Beobachtungen und dem Wunsch, Naturvorgänge in ästhetischen Formen zu konservieren. In unserem Bild tauchen außerdem Zeilen aus einem Text des dänischen Naturforschers Tycho Brahe auf. Selbst wenn man sie nicht lesen oder nicht verstehen kann, erfüllen sie ein Anliegen des Künstlers, das er schon mit der Wahl seines Malgrundes offenlegt. In seiner Kreidetafel-Serie benutzte er Masonit, eine aus langen Zellulosefasern hergestellte Hartfaserplatte, die er mit schwarzem Schultafellack grundierte. Darauf notierte er mit Kreide sich überlagernde, halbverwischte Gedankengänge, ein vorhandenes, visualisiertes, weitergegebenes Wissen, das er in einem schwebenden Zustand fixiert hat.